Schwierige Elterngespräche? Das eigentliche Problem sind oft nicht die Eltern.

Ein Gespräch, das mir im Gedächtnis geblieben ist

Vor einiger Zeit saß ich in einer Sitzung einer Wählervereinigung. Es ging unter anderem um Aktien, die der Verein vor Jahren geschenkt bekommen hatte.

Ich stellte die Frage: „Seit wann haben wir diese Aktien eigentlich?“

Die Antwort kam sofort: „Seit 20XY.“

Bis hierhin alles gut. Doch dann ging es weiter: „Schau, das kannst du hier an den Zahlen sehen. Da ist das Vermögen um X gestiegen. Wenn du dort hinschaust, erkennst du das auch.“

Und plötzlich passierte etwas Interessantes.

Obwohl die Person vermutlich nur helfen wollte, fühlte ich mich nicht informiert. Ich fühlte mich belehrt.

Das war kein großer Konflikt.

Aber es hat mir gezeigt, wie sensibel wir Menschen auf bestimmte Gesprächsformen reagieren.

Denn der Unterschied zwischen „informieren“ und „belehren“ liegt oft nicht in den Worten. Sondern in der Haltung dahinter.“

Als ich später darüber nachdachte, wurde mir klar:

Dieses Gefühl kenne ich nicht nur aus dieser Sitzung. Und ich glaube, viele Eltern kennen es ebenfalls. Nicht, weil Fachkräfte ihnen etwas Böses wollen.

Sondern weil gute Absichten und gute Gesprächsführung nicht immer dasselbe sind.

Was hat das mit Eltern-Gesprächen zu tun?

  • „Die Eltern wollen das Problem nicht sehen.“
  • „Mit der Mutter kann man einfach nicht reden.“
  • „Der Vater blockt sofort ab.“
  • „Die Eltern wollen das Problem nicht sehen.“

Solche Sätze höre ich regelmäßig in meinen Seminaren.

Und ja: Manche Elterngespräche sind wirklich herausfordernd. Eltern reagieren emotional. Sie fühlen sich angegriffen. Sie werden laut, rechtfertigen sich oder ziehen sich zurück.

Das alles kommt vor.

Trotzdem habe ich im Laufe der Jahre eine Beobachtung gemacht: Die größten Schwierigkeiten entstehen oft nicht durch die Eltern.

Sondern durch die Erwartungen, mit denen wir in das Gespräch gehen.

Der Wunsch, Eltern zu überzeugen

Die meisten Erzieher:innen meinen es gut. Sie sorgen sich um das Kind. Sie sehen Entwicklungsauffälligkeiten.

Sie erleben Konflikte.

Sie möchten helfen.

Und genau deshalb wünschen sie sich häufig, dass Eltern das Problem erkennen, verstehen und anschließend die „richtigen“ Schritte gehen.

Doch genau hier beginnt oft die Anspannung.

Denn Eltern kommen nicht immer zu denselben Schlussfolgerungen wie die Fachkräfte. Sie haben andere Erfahrungen. Andere Sorgen. Andere Prioritäten.

Und manchmal brauchen sie schlicht mehr Zeit.

=== Wenn pädagogische Gespräche mit Erwachsenen geführt werden

 

Wenn pädagogische Gespräche mit Erwachsenen geführt werden

Erzieher:innen leisten jeden Tag beeindruckende emotionale Arbeit. Der Job gilt neben dem einer Fluglotsin als einer der stressigsten Berufe!

  • Sie begleiten Kinder.
  • Sie erklären.
  • Sie fördern.
  • Sie setzen Grenzen.
  • Sie unterstützen Entwicklung.

Das ist ihr Beruf.

Manchmal wird diese Haltung jedoch unbewusst in Elterngespräche übernommen.

Dann entsteht der Wunsch, Eltern ebenfalls zu lenken, zu überzeugen oder in die „richtige“ Richtung zu führen.

Doch Eltern sind keine Kinder. Sie sind erwachsene Menschen mit eigener Verantwortung. Und Erwachsene reagieren oft empfindlich, wenn sie das Gefühl haben, belehrt oder gelenkt zu werden.

Selbst dann, wenn die Absicht dahinter gut gemeint ist.

 

Das eigentliche Bedürfnis hinter vielen Seminaranfragen

Wenn Fachkräfte zu mir ins Seminar kommen, sagen sie selten:

„Ich möchte Eltern besser lenken.“

Sie sagen vielmehr:

  • „Ich möchte entspannter in Gespräche gehen.“
  • „Ich möchte sicherer reagieren können.“
  • „Ich möchte wissen, was ich sagen soll.“
  • „Ich möchte auch in schwierigen Situationen ruhig bleiben.“

Und genau darin liegt für mich der Schlüssel. Nicht mehr Einfluss auf Eltern. Sondern mehr Sicherheit in sich selbst.

 

Was sich verändert, wenn die Unsicherheit kleiner wird

Wer sich sicher fühlt, muss Eltern nicht überzeugen. Wer sich sicher fühlt, muss nicht um Zustimmung kämpfen. Wer sich sicher fühlt, kann Informationen klar benennen und unterschiedliche Sichtweisen aushalten.

Plötzlich entsteht Raum für echte Zusammenarbeit. Nicht, weil Eltern sich verändert haben.

Sondern weil sich die Gesprächshaltung verändert hat.

 

Mein Fazit

Die Aufgabe von Erzieher:innen ist nicht, Eltern zu therapieren. Nicht, sie zu erziehen. Und auch nicht, sie von einer bestimmten Sichtweise zu überzeugen.

Die Aufgabe besteht darin, Beobachtungen professionell mitzuteilen, Möglichkeiten aufzuzeigen und Beziehung zu gestalten.

Oft werden Elterngespräche genau in dem Moment entspannter, in dem wir aufhören, Eltern verändern zu wollen.

Und anfangen, ihnen als Erwachsene zu begegnen.

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