
Mich interessiert nicht mehr, ob dir meine Fortbildung gefallen hat.
Das ist ein Satz, den ich vor zwei Jahren vermutlich nicht geschrieben hätte.
Heute schon. Warum? Weil ich etwas verstanden habe.
Nach fast jeder Fortbildung bekommen die Teilnehmenden einen Feedbackbogen.
Die Fragen kennst du wahrscheinlich.
„Was hat Ihnen besonders gut gefallen?“
„Was könnte verbessert werden?“
„Was möchten Sie der Referentin noch mitgeben?“
Jahrelang habe ich diese Bögen gelesen. Ich habe mich über Lob gefreut.
Natürlich.
Wer freut sich nicht, wenn jemand schreibt:
„Ihre lebendige Art hat das Seminar kurzweilig gemacht.“
Oder:
„Der Humor war toll.“
Das schmeichelt.
Und wenn jemand schrieb: „Sie reden manchmal zu viel.“
Oder:
„Kommen Sie schneller auf den Punkt.“
Dann habe ich darüber nachgedacht.
Vielleicht sogar ein bisschen zu lange.
Bis ich irgendwann dachte:
Moment mal …
Was erfahre ich durch diese Fragen eigentlich?
Dass Menschen verschieden sind.
Die eine liebt Geschichten. Der nächste hätte lieber mehr Theorie. Die eine mag meinen Humor. Der nächste wünscht sich mehr Gruppenarbeit. Der eine möchte noch mehr Modelle. Die andere weniger Input.
Ganz ehrlich?
Ich könnte mein ganzes Berufsleben damit verbringen, es allen recht machen zu wollen.
Oder ich lasse es.
Und genau da hat es Klick gemacht.
Mich interessiert heute etwas völlig anderes. Mich interessiert nicht mehr, ob dir meine Fortbildung gefallen hat. Mich interessiert, ob du morgen anders ins Eltern- oder Entwicklungsgespräch gehst.
Ob du dich zum ersten Mal traust, eine Pause auszuhalten. Ob du eine kritische Bemerkung nicht mehr persönlich nimmst. Ob du merkst: „Moment mal … ich muss gar nicht über jedes Stöckchen springen.“
Denn genau darum geht es doch.
Nicht darum, dass ich zwei Tage lang nett war.
Sondern darum, dass du danach freier bist.
Das Verrückte ist:
Vielleicht war es gar nicht das große Kommunikationsmodell. Vielleicht war es auch nicht die Methode. Vielleicht war es nur ein einziger Satz. Ein Bild. Eine Geschichte. Ein kleiner Gedanke. Einer, der sich irgendwo festgesetzt hat.
Und der plötzlich, drei Wochen später, mitten in einem Elterngespräch wieder auftaucht.
„Ach ja … jetzt verstehe ich.“
Ich glaube, genau so lernen wir Menschen. Nicht immer spektakulär. Sondern leise.
Aus dieser Erkenntnis habe ich zwei Konsequenzen gezogen.

Die erste: Ich frage heute anders. Mich interessiert nicht mehr zuerst, wie jemand meine Fortbildung bewertet.
Ich frage lieber: Was hat heute bei dir Klick gemacht? Welche Situation wirst du morgen anders angehen Welcher Gedanke wird dich wahrscheinlich noch eine Weile begleiten?
Denn diese Antworten erzählen mir etwas über Wirkung.
Nicht über Geschmack.
Die zweite Konsequenz ist mindestens genauso wichtig.
Ich werde meine Seminare künftig anders beginnen.
Ich werde sagen: Der Erfolg dieser Fortbildung hängt maßgeblich von einer Person ab.
Von dir.
- Wenn dir etwas unklar ist – frag.
- Wenn du ein Beispiel brauchst – frag.
- Wenn du wissen möchtest, wie das in deiner Einrichtung funktioniert – frag.
- Wenn ich zu schnell bin – sag es.
- Wenn dir ein Begriff nichts sagt – unterbrich mich.
- Und wenn dir meine Art nicht gefällt?
- Dann nimm trotzdem das mit, was dich weiterbringt.
Ich bin nicht angetreten, um Everybody’s Darling zu sein. Ich bin angetreten, damit Menschen freier nach Hause gehen, als sie gekommen sind.
Je länger ich als Trainerin arbeite, desto mehr verändert sich mein Blick.
Früher dachte ich: Ich bin verantwortlich für ein gutes Seminar.
Heute denke ich: Ich bin verantwortlich für ein gutes Angebot. Für einen sicheren Raum. Für Klarheit. Für Ehrlichkeit. Für gute Fragen. Für Geschichten, die im Kopf bleiben. Für Werkzeuge, die im Alltag funktionieren.
Aber ob daraus Veränderung entsteht …
… dafür braucht es noch jemanden.
Dich.
Und vielleicht ist das gar nicht nur in Fortbildungen so. Vielleicht beginnt innere Freiheit immer dort, wo wir aufhören zu fragen:
„Wie waren die anderen?“
und anfangen zu fragen:
„Was mache ich jetzt daraus?“
Was ich aus Feedbackbögen gelernt habe

Mich interessiert heute nicht mehr zuerst, ob Menschen mich sympathisch fanden.
Mich interessiert, ob sie
- mutiger geworden sind.
- Gelassener.
- Souveräner.
- Freier.
Denn genau deshalb schreibe ich. Und genau deshalb gebe ich Seminare. Nicht über Kommunikation.
Sondern über Freiheit.
